Neue Heidelbeer- und Kirschsorten am Versuchszentrum Laimburg im Test
Neue Heidelbeer- und Kirschsorten am Versuchszentrum Laimburg im Test
30-6-20216
Am 23. Juni 2026 organisierte das Versuchszentrum Laimburg eine Feldbegehung mit Fokus auf Sortenprüfungen bei Süßkirschen und Kulturheidelbeeren sowie auf die Pflanzengesundheit. Um das Potenzial dieser Kulturen für Südtirol zu bewerten, untersucht das Versuchszentrum Laimburg seit 2022 insgesamt 53 Kulturheidelbeersorten und 17 Süßkirschensorten. Während der Anbau von Kulturheidelbeeren international und auch in Italien seit Jahren stark zunimmt, ist diese Kultur in Südtirol bislang wenig verbreitet. Der Anbau von Kulturheidelbeeren eignet sich auch für kleinere Flächen und kann den Beschäftigungszeitraum von Saisonarbeitskräften verlängern, indem die Zeit nach der Ausdünnung im Apfelanbau überbrückt wird. Bei den Süßkirschen stehen spät reifende Sorten im Mittelpunkt, die den Erntezeitraum verlängern und vor allem für das Talgebiet interessante Perspektiven eröffnen.
Kulturheidelbeere: neue Chancen für Südtirols Landwirtschaft
Um das Potenzial von Kulturheidelbeeren für Südtirol zu untersuchen, hat das Versuchszentrum Laimburg 2022 in Pfatten eine Pilotanlage errichtet. Dort gedeihen 53 verschiedene Sorten der Amerikanischen Heidelbeere (Vaccinium corymbosum) und der Kaninchenäugigen Heidelbeere (Vaccinium ashei). Da Heidelbeeren saure Böden benötigen, die im Südtiroler Unterland nur selten vorkommen, wachsen die Pflanzen in Substratbehältern. Dieses Anbausystem ermöglicht auch einen gezielten und effizienten Einsatz von Wasser und Nährstoffen. Im Rahmen der Sortenprüfung untersuchen die Forschenden Ertrag, Fruchtgröße, Fruchtqualität, Lagerfähigkeit sowie das Verhalten der Pflanzen bei Umweltstress. Weitere Forschungsarbeiten befassen sich mit der halbmechanischen Ernte mittels Schüttler, mit der Fruchtqualität sowie dem Gehalt gesundheitsfördernder Inhaltsstoffe wie Antioxidantien.
„Erste Ergebnisse zeigen, dass neuere Sorten den früher verbreiteten Sorten in vielen Bereichen überlegen sind. Sie überzeugen durch höhere Erträge, sehr gute Fruchtqualität und eine erleichterte Ernte. Gleichzeitig sind sie resistenter gegen Trockenperioden und warme Sommer wie in den letzten Jahren“, erklärt Victor Mari-Almirall von der Arbeitsgruppe Beeren-, Stein- und Schalenobst. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden eine wichtige Grundlage für die Beratung und Weiterentwicklung des Kulturheidelbeeranbaus in Südtirol.
Spätreifende Süßkirschensorten für das Talgebiet
Süßkirschen werden in Südtirol traditionell vor allem in mittleren und höheren Lagen zwischen 700 und 1.200 m ü.d.M. angebaut. Die Standardsorten Kordia und Regina reifen dort zwischen Ende Juni und Mitte August und lassen sich in einem besonders günstigen Zeitfenster vermarkten, da die Ernte in den großen italienischen Anbaugebieten zu diesem Zeitpunkt bereits weitgehend abgeschlossen ist. Neue Züchtungen spät reifender Sorten eröffnen zusätzliche Perspektiven für den Anbau im Talgebiet, indem sie den Erntezeitraum verlängern. Während Kordia im Tal bereits Mitte Juni erntereif ist, ermöglichen neue Sortenselektionen eine Ernte bis Ende Juli. Ein weiterer Vorteil des Anbaus in tiefen Lagen ist der Einsatz der Überkronenberegnung zum Frostschutz, um Frostschäden zu vermeiden.
Seit 2022 prüft die Arbeitsgruppe Beeren-, Stein- und Schalenobst die Eignung spät und sehr spät reifender Süßkirschensorten für Südtirol. Aktuell stehen 17 Sorten im Versuchsfeld und werden mit den Referenzsorten Kordia und Regina verglichen. „Die bisherigen Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Sorten, unter anderem ein späterer Reifezeitpunkt als die Referenzsorten, größere Früchte, eine festere Fruchtkonsistenz und in einigen Fällen eine bessere Reaktion auf Umweltstress. Einige Selektionen treten zudem sehr rasch in die Vollertragsphase ein und könnten vielversprechende Alternativen zu den Standardsorten darstellen. In den kommenden Jahren gilt es diese Sorten weiterhin unter Praxisbedingungen zu beobachten und zu bewerten“, erklärt die Forscherin Irene Perli. (Quelle: Pressemitteilung Versuchszentrum Laimburg)